Steemwars – Das Ende der Dezentralisierung?

Steemwars – Das Ende der Dezentralisierung?

2. März 2020 Kryptowährungen steem steemit tron 0

Die aktuellen Geschehnisse auf Steem verdienen einen genauen Blick. Ich versuche die Vorgänge der letzten Tage so einfach wie möglich darzustellen. Sollte ich mich an einer Stelle irren, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich es abändern kann.

  1. Einleitung
  2. Was ist Steemit Inc.
  3. Hat Justin Sun auf Steempeak und Splinterlands gekauft?
  4. Witnesses (Zeugen)
  5. Das Problem mit dem Ninjastake
  6. Zurück zum Kauf von Steemit Inc.
  7. Softfork
  8. Refork
  9. Ausblick

 

 

1. Einleitung

Begonnen hat alles damit, dass Justin Sun, der Kopf der Tron Foundation, die sich um den Aufbau des Tron Ökosystems und der Tronchain (TRX) kümmern, die Firma Steemit Inc. von Ned Scott gekauft hat.

 

2. Was ist Steemit Inc.?

Die Steem Blockchain wurde durch das Team von Steemit Inc. erschaffen. Auch heute tragen die maßgeblichen Änderungen an der Steem Blockchain die Handschrift des Teams von Steemit Inc. Außerdem betreibt Steemit Inc. bestimmte Nodes (Rechner), die für die Steem-Blockchain essentiell sind. Schließlich stellt Steemit Inc. über steemit.com den Nutzern der Blockchain eine Social Media Plattform zur Verfügung, um die Steem Blockchain zu nutzen. Dort kann man selbst bloggen, andere Blogbeiträge kommentieren und up- und downvoten. 

 

3. Hat Justin Sun auch Steempeak und Splinterlands geklauft?

Nein. Denn dies sind von Steemit unabhängige Plattformen, die lediglich die Steem-Blockchain benutzen. Ich stelle mir die Steem-Blockchain wie einen digitalen Computer vor. Steemit ist wie ein Browser (zb Chrome) mit dem ich verschiedene Sachen machen kann. Splinterlands ist wie ein Spiel, dass ich auf dem Computer(der Steemblockchain spiele). Um dieses Spiel zu spielen, brauche ich keinen Browser(steemit.com), sondern nur einen Computer(Steem-Blockchain). Steempeak, Splinterlands & Co wurden von eigenständigen Entwicklern entwickelt und gehören nicht zu Steemit Inc, auch wenn sie die Steem-Blockchain nutzen.

 

4. Witnesses (Zeugen)

Auf der Steem-Blockchain werden sogenannte Witnesses(Zeugen)gewählt, die für die Überprüfung der Transaktionen auf der Blockchain verantwortlich sind. Dafür werden sie mit Steem belohnt. Die Zeugen müssen natürlich eine Node betreiben. Gewählt werden sie direkt von den Steemnutzern. Jeder Account kann maximal 30 Zeugen auswählen, denen er seine Stimme gibt. Das Gewicht der Stimme bestimmt sich nach der Steempower, also dem festangelegten Steem des einzelnen Nutzers. Wer mehr Steempower hat, bekommt also mehr Mitspracherrecht.

Die Zeugen mit den meisten Stimmen sind überwiegend diejenigen, die sich am meisten für die Community einsetzen. So zb aggroed oder yabapmatt, die Splinterlands erschaffen haben, oder andere Programmierer, die nützliche Tools für die Steemnutzer geschrieben haben. Ihr Engagement bringt ihnen die Votes.

Der Knackpunkt ist, dass der Code der Steem-Blockchain nur verändert werden kann, wenn 17 der Top 20 Zeugen dem zustimmen. Weil die Top 17 alle unterschiedliche Personen sind und voneinander weitesgehend unabhängi sind, ist also eine gewisse Dezentralisierung gewahrt. Es gibt nicht einen Menschen, der bestimmt, was auf der Steem-Blockchain passiert. Dadurch, dass die Top Zeugen alle gut in Steem investiert sind, weil sie durch ihre Tätigkeit auch immer weiter Steem verdienen, liegt ihnen etwas daran, den Wert von Steem zu erhalten.

 

5. Das Problem mit dem Ninjastake

Die Dezentralisierung von Steem ist also erstmal gesichert. Könnte man meinen. Denn jetzt kommt der Knackpunkt. In den ersten Tagen von Steem konnte – kurz gesagt – nur Steemit Inc Steem minen (Also zeugen stellen und dadurch Steem verdienen). Externe waren nicht zugelassen. Dadurch hat Steemit Inc einen gewaltigen Haufen an Steem erwirtschaftet (viele Millionen Steem). Bevor andere Witnesses diese Möglichkeit bekamen.

Mit diesem gewaltigen Stake, der heutzutage knapp ein Viertel des gesamten Steems ausmacht, kann Steemit Inc alle Zeugen durch eigene Zeugen ersetzen, denn die meisten Steemaccounts verteilen ihre Zeugen-Votes nicht, weil sie das System nicht verstehen und die verteilten Votes sind auf zu viele unterschiedliche Zeugen aufgeteilt.

Ned Scott versprach damals, dass dieser riesige Haufen Steem (auch Ninjastake genannt) nicht für so eine Aktion genutzt werden würde. Auch würden mit diesem Stake keine Upvotes vergeben werden. Der Stake sollte nur zur Entwicklung der Steem-Blockchain und zum Wohle der Community eingesetzt werden. Daran hielt sich Ned Scott und Steemit Inc. die letzten Jahre.

 

6. zurück zum Kauf von Justin Sun.

Am 15.02.2020 verkaufte Ned Scott dann Steemit Inc. inklusive dieses Ninjastakes an Justin Sun. Das sorgte für einen riesigen Aufschrei, denn eigentlich gehörte der Stake ja der Community und jetzt war er einfach an Justin Sun verkauft worden und Ned Scott streicht sich das Geld dafür in die eigene Tasche.

7. Softfork

Nach dem Kauf waren die Community und die aktiven Zeugen sehr verunsichert wie es weitergeht. Justin Sun konnte keine genauen Antworten geben und es schien, als wüsste er nicht genau, was er da gekauft hatte. Aus Angst davor, dass Justin Sun den Ninjastake missbrauchen würde sprachen die Top zeugen sich in einer nie dagewesenen Aktion ab uns spielten unangekündigt eine Softfork auf die Steem-Blockchain, die alle Accounts von Steemit samt aller Guthaben (also des Ninja Stakes) einfror, sodass die Guthaben nicht bewegt und nicht zum Voten eigener Zeugen missbraucht werden konnten.

Diese Aktion war beispiellos, da das erste mal in die Verfügungsgewalt eines Steemaccounts über seine Wallet eingegriffen wurde und weil diese Softfork ohne vorherige öffentliche Absprache mit der Community erfolgte.

 

Es wurden folgende Accounts eingefroren:

 

8. Refork

Heute am 02.03.2020 hat Justin Sun zurückgeschlagen. Mithilfe der Exchanges Binance, Poloniex und Huobi hat er 20 eigene Zeugen gewählt und die Softfork rückgängig gemacht und eine neue Softfork auf die Steem-Blockchain aufgespielt, deren Code jedoch bisher geheim ist.

Erschreckend ist, dass Binance, Poloniex und Huobi Justin Sun dabei geholfen haben und dafür anscheinend Kundenguthaben verwendet haben. Die Steemguthaben der Kunden wurden aufgepowert und dadurch hatten sie genügend Stimmen um Justin Suns Zeugen zu wählen. Das stellt einen außerordentlicher Vetrauensbruch dieser Kryptobörsen dar.

 

9. Ausblick

Was jetzt passiert ist ungewiss. Einen solchen Schritt hatten die Zeugen der Community bestimmt nicht erwartet. Allerdings war es abzusehen, dass Justin Sun die Softfork, die seine Guthaben einfror, nicht auf sich sitzen lassen würde. Ich hoffe, dass eine Lösung gefunden wird und die alten Zeugen wieder an die Macht kommen. Denn nur so ist die Blockchain wirklich dezentral. 

Ich finde den Machtmissbrauch der Exchanges Binance, Poloniex und Huobi viel gravierender und ich werde diese Exchanges in Zukunft meiden. Kundenguthaben dürfen unter keinen Umständen für so etwas verwendet werden. Dieser Vertrauensbruch ist extrem.

 

 

Quellen: 

Softfork Post by @edicted

Softfork Post by @aggroed

 

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