5 Gründe gegen den Kauf eines Eigenheims

5 Gründe gegen den Kauf eines Eigenheims

15. September 2020 Allgemein Finanzen Investieren investment 4

Im Gegensatz zu vielen Menschen aus meiner Generation und den Generationen davor, habe ich bisher nicht vor in meinem Leben je eine Immobilie zu kaufen, um darin zu leben. Daher stelle ich Dir fünf Gründe vor, die meiner Ansicht nach gegen den Kauf eines Eigenheims sprechen.

1. Der Kredit

Um sich ein Haus oder eine Wohnung leisten zu können, muss der durchschnittliche Deutsche einen Kredit bei der Bank aufnehmen. Dabei wird viel zu oft geschaut, “wie viel Haus kann ich mir leisten kann”, statt danach zu fragen, “wie viel Haus brauche ich eigentlich und kann ich mir den Kredit dafür überhaupt leisten?” Wer weiß schon was die Zukunft bringt. Weil die Wünsche und Ansprüche naturgemäß bei der Planung  wachsen, wird das Haus oder die Wohnung dann meistens größer und teurer als vorher angenommen. Die Raten werden so gewählt, dass man zwar noch atmen kann, aber das Wasser steht einem trotzdem bis zum Bauchnabel. Bei nicht einkalkulierten Ereignissen (Jobverlust, Krankheit, pflegebedürftiges Familienmitglied, Scheidung etc),kann sich das dann schnell rächen 

 2. Flexibilität

Wer sich ein Haus kauft, verliert seine Flexibilität. Denn ein Haus wieder zu verkaufen, kostet einige Zeit und Geld. Der Verkauf eines Hauses ist erst nach 10 Jahre steuerfrei und dazu kommen außerdem noch die Kaufnebenkosten. Auch das Haus zu vermieten ist nicht immer einfach. Ein passender, zahlungskräftiger und zuverlässiger Mieter muss erst gefunden werden. Und nicht jeder möchte in die Rolle des Vermieters schlüpfen. Bei einem Haus bzw einer Wohnung herrscht dazu ein enormes Klumpenrisiko. Mietausfälle, Reparaturen, Instandhaltung, Mietnomaden kosten nicht nur Nerven, sondern auch noch ordentlich Geld.

Der Wohnort kann also nicht einfach so mal eben gewechselt werden. Aber was ist, wenn das Haus plötzlich zu klein wird, weil man doch noch ein (weiteres) Kind plant oder die kranke Mutter einziehen muss? Was passiert bei Verlust des Arbeitsplatzes und wenn in der Nähe keine gleichartigen Jobs angeboten werden? Oder wenn sich die eigenen Vorlieben ändern und man jetzt lieber in der  aufregenden Stadt oder auf dem idyllischen Land leben möchte? Oder aber die Kinder verlassen das Elternhaus und plötzlich ist das Haus viel zu groß und leer. 

Hauseigentümer sind gebunden. Es ist viel einfacher ein Mietshaus oder eine Mietwohnung zu wechseln und so den individuellen Bedürfnissen anzupassen, als ein Haus zu verkaufen.

3. Ein Haus ist keine Investition

Viele denken, ein Haus wäre ein Investition. Sie bezahlen 20-30 Jahre lang ihr Eigentum ab und leben dann im Alter mietfrei. Grundsätzlich ist das richtig, aber ist das tatsächlich eine Investition? Robert Kiyosaki hat in seinem Buch Rich Dad Poor Dad(kostenlos bei Spotify anhören) schon dargelegt, dass ein Haus nach seiner Meinung eben keine Investition ist. Denn ein Investment bringt Geld herein. Ein Verbindlichkeit kostet dagegen Geld. In ein Haus muss ständig Geld gesteckt werden, während man solange man es selbst bewohnt, kein Geld damit verdient. Instandhaltung, Reparaturen, Renovierung, Steuern, Nebenkosten etc.

Auch wenn wir in den letzten Jahren überall von stark steigenden Preisen für Immobilien hören und lesen, so trifft dass doch nicht per se auf jedes Objekt zu. Das Eigenheim auf Pump in der Pampa, wie Gerald Hörhan es gerne nennt, hat nicht dieselbe Wertsteigerung erfahren, wie das Einfamilienhaus in Berlin oder München. Es hat vermutlich sogar an Wert verloren. 

4. Gefahren

Der Kauf einer Immobilie zum Wohnen birgt einige Gefahren. Denn bis der Kredit abgezahlt ist, dauert es viele Jahre bis Jahrzehnte. Und in dieser Zeit kann viel passieren. Beim Bau wurde gepfuscht, die Nachbarn werden zu Tyrannen, Sozialwohnungen werden nebenan gebaut oder es wird plötzlich um die Ecke eine Schnellstraße errichtet. Noch schlimmer ist es, wenn ein Unternehmen in der Nähe Umweltschäden verursacht, die sich auf das Haus und ihre Bewohner auswirken. Das Haus verliert an Wert und der Eigentümer kann wenig bis nichts dagegen tun. 

Und – oben wurde es bereits erwähnt – was passiert bei Verlust des Arbeitsplatzes oder Krankheit, wenn die Raten für den Kredit nicht mehr gezahlt werden können? Ganz zu schweigen von Scheidung oder Tod des Partners. Der Eigentümer kann auch solche Situation nur schwer reagieren. 

5. Sentimentaler Klotz

Ein Eigenheim kann auch zum Ballast werden. Besonders, wenn es die einzige Immobilie ist, die dann noch ein Leben lang abgezahlt wurde. Dann fällt die Trennung besonders schwer, auch wenn das Eigenheim den Bedürfnisse des Alters nicht mehr gerecht werden. Wenn das Haus viel zu groß geworden ist und man mit dem Putzen nicht mehr hinterherkommt. Wenn Die Zugänge und Einrichtung nicht mehr altersgerecht ist oder sich das Grundstück in einer Gegend befindet wo die ärztliche Versorgung und die Grundversorgung mit Geschäften des täglichen Bedarfs nicht mehr gedeckt ist. 

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Fazit

Der Kauf eines Eigenheims sollte wohl überlegt sein, denn für viele bedeutet diese Entscheidung, an welchem Ort sie bis zum Ende ihres Lebens wohnen wollen. Kann diese Entscheidung schon mit Mitte 20, 30 oder 40 Jahren gefällt werden? Falls dem so ist, sollten auf jeden Fall die Kosten nicht außer Acht gelassen werden. Die Frage sollte lauten: “Wie viel Haus brauche ich wirklich?” und nicht “wie viel Haus bekomme ich?” 

Der Kauf eines Hauses kann sich auch lohnen. In diesem Beitrag geht es jedoch  um die negativen Aspekte, die bei der Überlegung zu berücksichtigen sind. Ich freue mich auf Deine Rückmeldung!

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Dies ist keine Anlageberatung oder Anlageempfehlung! 

Ich gebe hier ausschließlich meine eigene subjektive Meinung wieder. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Bei Aktien, Kryptowährungen und Splinterland Karten handelt es sich um sehr risikoreiche Investitionen, bei denen der Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals droht. Der Beitrag enthält Werbung für Produkte und Unternehmen, in die ich selbst investiert bin. Ich wurde jedoch nicht dafür bezahlt sie hier zu nennen. 

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4 Antworten

  1. Eine rein rationale Analyse. Auf diese Weise würde ich wohl zur gleichen Schlussfolgerung kommen.

    Es gibt aber Entscheidungen im Leben, bei denen nicht nur Zahlen ausschlaggebend sein sollten. Denn ansonsten würde sich z.B. auch niemand Kinder leisten.

    Ich bereue es jedenfalls zu keiner Zeit, den finanziellen Fehler der selbst bewohnten Immobilie gemacht zu haben. Jede Investition in mein Haus ist für mich und meine Familie und erhöht unsere Lebensqualität nach unseren Vorstellungen. Und auch über meinen Tot hinaus wird die Familie noch davon profitieren, dass es eine Immobilie in unserem Besitz gibt.

    Ein letztes Argument für das Eigenheim: Der Sparzwang des Hauskredits, lässt den Hausbesitzern keine andere Wahl, als Monat für Monat einen vergleichsweise hohen Betrag zu investieren. Auf freiwilliger Basis gelingt dies des meisten Menschen nicht. Die Disziplin zum Sparen und Investieren, wird oft nicht konsequent durchgehalten.

    Viele Grüße
    Mike

    • hatoto sagt:

      Zunächst erstmal vielen Dank für Deinen Kommentar!

      Ich stimme Dir vollkommen zu, dass nicht jede Entscheidung rein nach Zahlen rational getroffen werden sollte. Das wäre grauenhaft!

      Eine Immobilie zu erwerben um selbst darin zu wohnen ist auch nicht per se ein Fehler. So meine ich das gar nicht. 🙂 Es ist nur nicht immer die beste Entscheidung und oft werden Risiken nicht einkalkuliert und die Folgen können schwerwiegend sein.

      “Jede Investition in mein Haus ist für mich und meine Familie und erhöht unsere Lebensqualität nach unseren Vorstellungen. ”

      Da bin ich vollkommen bei dir. Ein eigene Immobilie hat sehr viele Vorteile! Dazu mache ich vielleicht noch einen zweiten Artikel, aber ich finde es schwierig über etwas zu schreiben, wo man selbst wenig Ahnung von hat. Vielleicht finde ich da einen Autor für einen Gastartikel 🙂

      “Der Sparzwang des Hauskredits, lässt den Hausbesitzern keine andere Wahl, als Monat für Monat einen vergleichsweise hohen Betrag zu investieren. Auf freiwilliger Basis gelingt dies des meisten Menschen nicht. Die Disziplin zum Sparen und Investieren, wird oft nicht konsequent durchgehalten.”

      Diesen Punkt finde ich enorm wichtig! Das ist einer der Gründe, warum viele Menschen ein “Vermögen” aufbauen ohne sich aktiv damit zu beschäftigen. Denn die meisten, die eben kein Haus kaufen, sparen nicht in dem Maße, wie sie es täten, wenn sie einen Hauskredit abzahlen müssten. Es fehlt der unnachgiebige Druck, der einen zwingt das Geld anzulegen. Schon allein aus diesem Grund kann sich der Kauf einen Hauses lohnen. Der ständige Druck den Kredit tilgen zu müssen, führt nicht nur dazu ständig Geld zu “investieren”, sondern auch langfristig zu schauen, dass man weiter genug verdient oder sogar mehr verdient um das Haus weiter halten zu können.
      Ein Mieter kann, wenn es im Job oder Unternehmen Probleme gibt, seine Ansprüche leichter herunterschrauben und sich damit zufrieden geben, dass er (zeitweise) weniger verdient. Jemand mit einem Hauskredit kann das nicht. Das ist eine starke Motivation genug Geld zu verdienen.

  2. Schöner Beitrag. Ich stimme dir in allen Punkten zu, vor allem in Punkt 2 “Flexibilität”. Ich persönlich möchte mich nicht an ein Haus binden. Ich weiß nicht, wo es mich in 10 oder sogar 5 Jahren verschlägt. Ich möchte einfach offen sein für die Welt. Gerade in der heutigen Zeit ist Mobilität glaube ich ein riesiger Vorteil und für mich auch ein Stück Freiheit.
    Eine einzelne Immobilie als Anlageobjekt wäre mir auch viel zu riskant. Aber das sind natürlich Entscheidungen, die jeder für sich selbst treffen muss. Hier gibt es kein richtig oder falsch.

    Fakt ist, wer eine eigengenutze Immobilie als Anlageobjekt sieht, muss immer im Hinterkopf behalten, was er mit dem Geld, zu welchem Risiko, über diesen Zeitraum an der Börse verdienen könnte.

    • hatoto sagt:

      Vielen Dank für Deinen Kommentar Maximilian.

      Das Problem ist quasi dasselbe wie beim Rauchen bzw Nichtrauchen. Ein Raucher gibt täglich, monatlich und jährlich Unsummen fürs Rauchen aus. Würde er das gleiche Geld in seinen Sparstrumpf stecken und dann anlegen, wäre seine Altersvorsorge schon fast gesichert. (5€/Tag = 91250€ nach 50 Jahren. Ohne Zinsen) Wer aber nicht raucht, spart das Geld fürs Rauchen auch nichts aktiv. Er gibt es für etwas anderes aus, anstatt es zu sparen und anzulegen.

      Es wäre natürlich schön, wenn sich jeder tatsächlich damit auseinandersetzen würde, ob es für ihn sinnvoller ist zu mieten und die Differenz zu einem ansonsten laufenden Hauskredit anzulegen, oder das Haus zu kaufen. In der Realität machen das aber wohl die wenigsten. Weil es ihnen niemand beigebracht hat.

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